Auf der Suche nach dem verlorenen Kontinuum

Bei der Tierkommunikation bin ich vielleicht zum ersten Mal auf etwas gestoßen, das man nicht erst lernen muss, sondern "einfach nur" aktivieren kann. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es bei vielen Themen so ist. In der Hundeerziehung müssen wir nicht das Rad neu erfinden, es genügt zu schauen, wie sich Hunde miteinander verhalten. Hunderudel, die ohne menschlichen Einfluss zusammenleben, gibt es heutzutage nur selten. Wildlebende Wölfe verraten uns viel über die Natur unserer Hunde, allerdings dürfen wir beachten, dass zwischen dem Wolf und dem Haushund genetisch 15.000 bis 100.000 Jahre liegen. Evolutionstechnisch ist der Zeitraum nicht lange, dadurch dass der Mensch eingewirkt hat, tat sich in dieser Zeit genetisch sehr viel, wie unschwer an der Vielzahl unterschiedlicher Hunderassen zu erkennen ist. Wir müssen uns einfach nur wie ein Hund verhalten!


Einfacher wäre es, sich wie ein Mensch zu verhalten, oder? Am besten wie ein natürlicher Mensch. Ein paar wenige Naturvölker gibt es sogar noch und einige westliche Menschen, die längere Zeit bei ihnen lebten und dadurch hautnah den Unterschied zu unserer modernen Lebensweise spürten und darüber berichteten. So wie diese Naturvölker leben, lebte die Menschheit Millionen von Jahren, unsere derzeitige Lebensweise existiert erst seit wenigen Jahrhunderten.

Schamanismus, Schwitzhütten und das indigene Wissen über Heilpflanzen und Heilmethoden interessieren mich sehr. Darüber hinaus hatte ich bisher keine Ambitionen wie ein Naturvolk zu leben. Eine Rolle spielte vermutlich auch meine Arroganz zu glauben, diese Völker hätten nicht unsere technischen Möglichkeiten und das Wissen, sich das Leben bequemer zu gestalten. Vermutlich wären Indianer schon längst in der Lage einen Kinderwagen zu bauen, der wäre nur etwas unpraktisch im Dschungel ohne gepflasterte Wege. Wie bei den Indianern ist auch unsere Lebensweise eine Anpassung an unser System. Eineinhalb Jahre und 99 Blogbeiträge später bin ich durch das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" darauf gekommen, was die eigentliche Tragik unserer Lebensweise ist. Die zunehmende Zerstörung unseres Lebensraums ist nur die äußere Manifestation von der Zerstörung, die täglich in uns abläuft. In wenigen Hundert Jahren konnten sich unsere Gene und damit unser Gehirn nicht an die rasanten Veränderungen unserer modernen Welt anpassen. Anpassung an veränderte Umweltbedingungen ist immer eine Frage der Zeit, sofern überhaupt noch ein Lebensraum existiert.


Unser Organismus kommt mit Erwartungen auf die Welt, die auf den Erfahrungen aus der Evolution basieren, diese Erfahrungsfolge bezeichnet Jean Liedloff als menschliches Kontinuum. Aufgrund unserer angeborenen genetischen Programmierung weiß ein Säugling instinktiv was lebenserhaltend und lebensfeindlich für ihn ist. Eine lebensfeindliche Situation löst existenzielle Not in ihm aus und führt dazu, dass er sein Urvertrauen verliert. Wie ein Hund die Zugehörigkeit zu seinem Rudel braucht, so benötigt der Säugling ständigen Körperkontakt so lange bis er von sich aus entscheidet krabbelnd oder gehend sich von der Mutter zu entfernen für eine kurze Weile. In ihrem Buch beschreibt Jean Liedloff sehr nachvollziehbar, welchen Einfluss dieses Urvertrauen auf die weitere Entwicklung des Kindes und schließlich auf das Leben des Erwachsenen und somit das Zusammenleben in einer Gemeinschaft hat. Menschen ohne Urvertrauen begleitet nicht nur eine permanente Unsicherheit, Mangel an Selbstvertrauen und Misstrauen gegenüber alles und jedem. Sie spüren permanent einen Mangel und sind auf der Suche nach dem Unbekannten. Dieses Gefühl kenne ich persönlich sehr gut. Vielleicht mögen diese Zusammenhänge dem einen oder anderen konstruiert vorkommen, ich weiß hingegen auch aus eigener Erfahrung, welche Auswirkungen wiedergewonnenes Urvertrauen auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche haben kann. Inzwischen begreife ich auch, wie ein artgerechter naturverbundener Umgang mit dem eigenen Hund dazu führen kann unsere eigene Natur und unser Urvertrauen wiederzuentdecken.


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Die aus unserer Sicht nicht beabsichtigte, hingegen alternativlose Zerstörung unseres Lebensraums ist eine natürliche Folge des Kontinuumsverlusts. Wir haben jeglichen Bezug zu unserer Mitwelt verloren, daher nennen wir sie Umwelt, weil sie uns umgibt, mehr auch nicht, scheinbar also nichts mit uns und unserem Glück zu tun hat. Man könnte auch sagen, dass wir unbewusst absichtlich unseren Lebensraum zerstören, um unserem psychischen Leiden langfristig ein Ende zu bereiten, Selbstmord an unseren Folgegenerationen oder selbstkreiertes Aussterben sozusagen.


Wie bereits erwähnt, dient unsere Lebensweise dem System beziehungsweise macht sie uns das Leben in diesem System leichter, äußerlich zumindest. Demzufolge ist ein kontinuumsgetreues Leben in unserem System umständlich, denn man stößt unweigerlich und permanent auf Hindernisse und Widerstände. Es ist wie den Kinderwagen durch den Urwald zu schieben. Ein Ausstieg aus dem System wird nicht gelingen, denn wir sind Teil des Systems und nähren es durch unser aller Bewusstsein. Bewusstseinswandel ist der erste Schritt, der äußeren Wandel automatisch folgen lässt, auch wenn er sich anfangs holprig anfühlt.


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Wer den Weg der Wahrheit geht, stolpert nicht.

Mahatma Gandhi



Quelle:

Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

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