bevor der Hahn dreimal kräht

Der Klang des Weckers trifft mich wieder wie ein Hammer auf den Kopf. Ich kann nicht aufstehen, ich schaff´s einfach nicht. Ich habe keine Lust wieder in diese Arbeit zu gehen. Nachdem ich den Wecker mehrmals weiter geschaltet habe, ergebe ich mich und schleppe mich aus dem Bett. Es hilft ja schließlich nichts. Zu kündigen und etwas Neues anzufangen oder mich gar selbstständig zu machen, da hätte ich viel zu viel Angst davor. Ich mache mir die Kontaktlinsen in die Augen, schminke mich und ziehe mir mein Business-Kostüm an um wenigstens ein Minimum an Autorität und Kompetenz auszustrahlen. Den ersten Kaffee trinke ich gleich Zuhause, denn es wird ein langer Tag. Zuvor nehme ich noch eine Schmerztablette, denn ich spüre wieder diese Kopfschmerzen, die in der Regel im Laufe des Tages nicht besser, sondern schlimmer werden.


Heute Abend ist ja auch wieder Hundeschule und ich habe ehrlich gesagt keine Lust darauf, auch wenn ich weiß, dass es dringend nötig ist. Mein Hund ist ja immer noch nicht abrufbar und immer wieder kommt es zu peinlichen Situationen und Ärger mit anderen Hundehaltern. Allerdings haben wir in den zwei Jahren kaum Fortschritte gemacht und irgenwie ist es auf dem Hundeplatz wie im Büro. Meine Mitarbeiter haben Null Respekt vor mir und vom Vorgesetzten gibt es nur Kritik. Dennoch werde ich weiter hingehen, das ist ja das Mindeste, was ich für meinen Hund tun kann und das bin ich ihm schuldig. Eine andere Lösung gibt es schließlich nicht. Irgendwann wird es schon Wirkung zeigen, auch wenn mir schleierhaft ist, warum er mich nach all der Zeit immer noch nicht ernst nimmt und keinerlei Vertrauen zu mir hat. Es liegt wohl daran, dass er zuvor schon bei so vielen Familien war. Kein Wunder eigentlich, dass er Menschen nicht mehr vertrauen kann, wenn sie nicht zu ihm stehen und ihn immer wieder im Stich lassen und verraten.




14 Ansichten