da bleibt mir die Spucke weg

Aktualisiert: Mai 2

Diese bekannte Redewendung bedeutet nichts anderes als überrascht und sprachlos zu sein und sie ist darauf zurückzuführen, dass Menschen bei einem Schreck tatsächlich einen trockenen Mund bekommen, was wiederum daran liegt, dass der Speichelfluss unterbrochen wird.


Unser Nervensystem besteht aus dem Sympathikus und dem Parasympathikus.

Der Sympathikus tritt immer dann in Aktion, wenn der altbekannte Säbelzahntiger auf den Plan tritt und sorgt dafür, dass alle körperlichen Abläufe, die in diesem Moment nicht überlebensnotwendig sind, eingestellt werden, sodass die ganze Energie den Muskeln zur Flucht oder zum Kampf zur Verfügung steht. Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit dem Nervensystem beschäftigt und bin dabei auf die Polyvagaltheorie gestoßen, die dem Parasympathikus eine Doppelrolle zuschreibt, er ist einerseits für die Entspannung zuständig und andererseits kann er in ausweglosen Situationen, das ganze System lahmlegen, was bei Reptilien dem Totstellen gleichkommt, bei Menschen einer Schockstarre oder einer Ohnmacht. Auf die Polyvagaltheorie gehe ich in diesem Beitrag ausführlicher ein. Ich gehe inzwischen davon aus, dass der hintere Vagusnerv, ein Teil des Parasympathikus für das Einstellen des Speichelflusses zuständig ist. So ein Schockzustand hält in der Regel nur wenige Sekunden oder Minuten an.


Leben wir dauerhaft in Angst, also in Erwartung des Säbelzahntigers, ist der Speichelfluss und die Verdauung nicht komplett eingestellt, wohl aber in reduziertem Maße tätig, wir haben also nicht permanent einen trockenen Mund, vielleicht aber Verdauungsbeschwerden und Magenschmerzen. Speichel dient einerseits dem Aufspalten der Nahrung, wenn wir essen, aber auch - was uns vielleicht gar nicht so bewusst ist - als Bestandteil des Immunsystems der Bekämpfung von Krankheitserregern. Diese Krankheitserreger werden vom Speichel umgeben, gegebenenfalls durch speicheleigene Enzyme unschädlich gemacht oder mit dem Speichel ausgeschieden. Dies ist nur eine körperliche Erklärung, warum dauerhafter Stress krank macht. Es ist leicht vorstellbar, dass ein Körper, der permanent in Anspannung und Erwartung des Säbelzahntigers ist, also schon mal vorsorglich alle für die Flucht unnötigen Prozesse herunterfährt und niemals eine Entspannung erfährt, denn der Säbelzahntiger kommt einfach nicht, auf Dauer krank wird, denn die lebensnotwendigen Prozesse laufen dauerhaft auf Sparflamme, so auch das Immunsystem.


Über den Unterschied zwischen Furcht und Angst habe ich bereits in einem Beitrag geschrieben. In diesem Beispiel ist Furcht, das Gefühl, dass ich in dem Moment habe, in dem der Säbelzahntiger vor mir steht. Die Erleichterung tritt zwangsläufig ein durch meinen Tod oder dadurch, dass ich geschafft habe, dem Tiger zu entkommen. Die Furcht ist weg. Führt dieses Ereignis dazu, dass ich mir permanent Sorgen mache, wieder in diese Situation zu kommen, nennt man das Angst. Die körperlichen Abläufe bei Furcht und Angst sind dieselben mit dem Unterschied, dass sie bei der Furcht auf einen kurzen, bei der Angst auf einen langen Zeitraum ausgelegt sind.


Ich finde diese Zusammenhänge sehr interessant, Du auch?


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Was ich auch interessant finde, ist, dass der Speichel im Mittelalter für ein sogenanntes Gottesurteil herangezogen wurde. Bei Hexenprozessen wurde der Verdächtigen, Hexer gab es ja kaum, ein trockenes Stück Brot gegeben und wenn sie es mangels Speichelflusses nicht schlucken konnte, kam das einem Schuldgeständnis gleich. Die Angeklagten befanden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation, demnach stellte der Parasympathikus die Speichelproduktion komplett ein. Daher kommt auch der Aberglaube, man könne durch Ausspucken den Teufel oder Hexen abwehren begleitet mit dem Ausruf: Pfui Teufel!


Auch das finde ich sehr interessant, Du auch?


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Quellen:

https://www.redensarten-index.de/suche.php?suchbegriff=~~es%20bleibt%20beim%20Alten&sp0=rart_ou

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