Der Monaco Franze unter den Hunden

Ich weiß, dass die Kunstfigur "Monaco Franze" nicht für jeden ein Begriff ist. Genauso wie ich vor einigen Monaten noch nie etwas von den Archetypen von Jung gehört hatte, wurden viele noch nie mit Monaco Franze konfrontiert. Um es kurz zu machen: Monaco Franze ist die Hauptfigur einer bayerischen Fernsehkultserie aus den 80er Jahren. Helmut Fischer verkörpert in der Rolle als Monaco Franze, die ihm damals den Durchbruch brachte, einen umtriebigen, lebensfreudigen Frauenhelden, eine Rolle, die ihm die Drehbuchautoren Helmut Dietl, Patrick Süsskind und Franz Geiger auf den Leib geschrieben haben.


In diesem Beitrag geht es wider Erwartung nicht um Hunderassen, die Helmut Fischer optisch ähneln, sondern um Hundetypen. Unter den Hunden gibt es wie bei den Menschen auch Archetypen. Archetypen kann man als vorgefertigte psychische Grundstrukturen definieren, die von Geburt an da sind und unser Verhalten entscheidend beeinflussen. Carl Gustav Jung hat 12 menschliche Archetypen inklusive ihrer Schattentypen ausführlich beschrieben ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn es gibt Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Archetypen.


Ebenso erhebt Maike Maja Nowak keinen Anspruch auf Vollständigkeit bei ihrer Einteilung in 4 Hundetypen, von denen es jeweils einen extrovertierten und einen introvertierten Charakter gibt, insgesamt also 8 Archetypen:

extro-, introvertierter Leithund

extro-, introvertierter Zentralhund

extro-, introvertierter Wächter

extro-, introvertierter Kundschafter


Bei jeder Hunderasse können alle Archetypen vorkommen, die Rasse spielt insofern eine Rolle, dass introvertierte Terrier agiler sind als introvertierte Möpse beispielsweise. Extrovertierte Typen sind grundsätzlich lebhafter und gehen nach vorn, während introvertierte sehr ruhig sind, abwarten und im Rudel eher hinten gehen. Auf die Unterschreitung ihrer Individualdistanz können sie durchaus mit heftigem Knurren oder Schnappen reagieren.


Der Leithund ist ein souveräner, autonomer Entscheidungsträger, eine Führungskraft. Der Extrovertierte geht voraus um die Lage zu klären und Frieden zu stiften bei Hundebegegnungen. Introvertierte Leithunde sind sehr ruhig, warten ab, gehen hinten oder bleiben stehen um andere Hunde zu empfangen. Leithunde sind sehr autonom und müssen niemandem im Rudel eine Rückmeldung geben. Daher sind sie oft gar nicht für Dressur empfänglich.


Der Zentralhund ist ein weiterer Entscheidungsträger, der mit völliger Hingabe in die Begegnung mit anderem Hund geht. Er hat ein großes Ausdrucksrepertoire. Zentralhunde wollen andere als Mitarbeiter akquirieren oder zum Anhalten bewegen. Sie geben Rückmeldung an den Menschen oder an andere Rudelmitglieder, daher brauchen sie ein präsentes Gegenüber.


Der extrovertierte Wächter ist der Kevin Costner unter den Hunden, denn als Bodyguard hat er einen starken Beschützerinstinkt, er sieht seinen Menschen als seinen Besitz, seine Ressource an, wenn er nicht geführt wird.

Der introvertierte Wächter ist ruhig bei guter Führung, ohne Führung muss er selbst entscheiden, was Stress bei ihm erzeugt, denn er fühlt sich nicht wohl damit. Er ist langsam, aber immer hell wach. Er beurteilt nicht wie der Leithund, sondern wartet immer auf Handlungsanweisungen. Wenn es keine gibt und er nicht weiß, wie es weitergeht, wird er nervös. Wenn es darauf ankommt, ist auch der introvertierte Wächter sehr mutig und geht voran.

Leithunde haben neben dem Zentralhund und dem Wächter noch einen weiteren Mitarbeiter: den Kundschafter, den er vorausschickt um Informationen einzuholen. Kundschafter ohne Führung werden von jedem Reiz mitgerissen und preschen nach vorn. Sie nähern sich mutig jedem Hund und beschnüffeln ihn neugierig, wollen allerdings von sich selbst nichts preisgeben. Extrovertierte Kundschafter äußern sich gerne lautstark und versuchen andere durch Bellen, Brummen oder lautem Gähnen zu animieren. Sie drehen wie von der Tarantel gestochen Kreise um andere für ein Rennspiel zu gewinnen. Oftmals werden sie von anderen Hunden gestoppt, da sie ansonsten gar nicht ansprechbar sind. Extrovertierten Kundschaftern geht es fast immer darum Spaß zu haben und andere als Spielgefährten zu gewinnen. Sie haben keinen Führungsanspruch, müssten im Hunderudel keine eigenen Entscheidungen treffen, da sie einen Leithund als Entscheidungsträger hätten. Sie testen sehr gerne ihre Grenzen aus und lieben es, Grenzen gesetzt zu bekommen. Man lernt durch sie wieder innerlich beweglich zu werden. Maja Nowak verwendet die schöne Metapher: "Dieser Hund ist quasi eine echte Muckibude für die innere Beweglichkeit der eigenen Gefühle und Möglichkeiten." Er verweigert sich oder wird panisch, wenn man gegen sein Verhalten ankämpft. Er trägt nicht, sondern verändert Menschen, denn der Mensch muss einen Gegenpol bilden zu seiner Aufregung. In einem Video von Maja Nowak sieht man einen extrovertierten Kundschafter, der sehr hartnäckig eine weiße Pudeldame für sich gewinnen will, die gar kein Interesse an ihm zeigt. Er lässt sich davon nicht entmutigen, setzt seinen ganzen Charme ein, gibt nicht auf und stupst sie immer wieder an und in Menschensprache übersetzt würde er sagen: "Aber Fräulein, man sagt doch, a bissl was geht immer!"




Quellen:

Durden, Chris: https://www.youtube.com/watch?v=tCHrs0KGdWo&t=265s

Nowak, Maja: https://www.youtube.com/watch?v=tKducHJ60c4&t=444s

Nowak, Maja: https://www.youtube.com/watch?v=8PwxIN8-waM