Die Psyche des Hundes

Aktualisiert: Juli 20

Nachdem ich mich in den letzten Monaten so viel mit der Psyche des Menschen beschäftigt habe, hat mich das Buch mit dem Titel "Die Psyche des Hundes" gleich angesprochen. Ich muss zugeben, dass es mir nicht leicht viel, das Buch zu lesen, trotz Latinum, Biologie-Leistungskurs und Interesse an Psychologie und Anatomie des Gehirns. Das Buch könnte in der Tat "Anatomie des Hundegehirns" heißen und Bestandteil eines Veterinärstudiums sein. Die Anatomie des Hundegehirns interessiert mich vorallem im Hinblick auf Unterschiede zum menschlichen Gehirn um daraus Rückschlüsse für das Zusammenleben und die Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu ziehen. Im Buch sind Abbildungen des menschlichen Gehirns dargestellt, was dafür spricht, dass Säugetiergehirne in ihren Bestandteilen identisch sind. Beim Lesen des Buchs dachte ich hingegen oft, was mir das brachte und warum ich als Hundehaltern die lateinischen Bezeichnungen jedes einzelnen Bestandteils im Gehirn wissen sollte.


In Kapitel 5 geht es um Emotionen, was mich weitaus mehr interessiert als die ersten 4 Kapitel über die Anatomie des Gehirns. Robert Mehl teilt die Meinung von Darwin, Lorenz und Eibl-Eibesfeldt, dass Tiere wie Menschen zu Emotionen fähig sind. Er unterscheidet allerdings - wie so oft im Deutschen - nicht zwischen Angst und Furcht, was für mich wesentlich ist, vorallem wenn wir von Tieren sprechen, da Tiere meiner Meinung nach sehr wohl Emotionen haben, jedoch nicht fähig sind Angst zu verspüren, Furcht schon. Über den Unterschied zwischen Angst und Furcht habe ich in einem früheren Beitrag bereits geschrieben.


Man merkt, dass der Autor Human-Psychologe ist, denn er schreibt viel über die menschliche Psyche und setzt sie praktisch 1:1 mit der des Hundes gleich. Tiere sind für mich spirituelle Wesen mit Körper, Geist und Seele und das Gehirn von Säugetieren unterscheidet sich außer in den Größenverhältnissen nicht viel von dem des Menschen. Ich sehe allerdings einen wesentlichen Unterschied zwischen Menschen und Tieren, denn Tiere können nicht von ihrem Selbst getrennt sein, sie haben kein Ego. Phobien, Traumata und Angststörungen sind meiner Meinung nach die Folgen einer Entfremdung vom Selbst und daher bei Tieren nicht möglich. Mir ist bewusst, dass unsere Haustiere inzwischen sehr viele Zivilisationskrankheiten haben, die bei Wildtieren gar nicht vorkommen. Das ist zum einen die Folge unserer modernen, unnatürlichen Lebensweise und hängt zum anderen damit zusammen, dass Tiere unsere Krankheiten übernehmen.

Robert Mehl stellt die Beziehung zwischen Körper und Psyche wie eine Einbahnstraße dar. Die Genetik bestimmt den Körper und die Körperfunktionen, die wiederum durch die Produktion von Hormonen, Botenstoffen etc. die Gefühle und somit die Psyche bestimmen. Folglich kann in manchen Fällen ein körperlicher Eingriff Verhaltensprobleme beheben. Ich gehe davon aus, dass sich Körper, Geist und Seele gegenseitig beeinflussen und eine Veränderung in einem Bereich zwangsläufig Auswirkung auf die beiden anderen Bereiche hat.

Das letzte Kapitel trägt die Überschrift "Bewusstsein", für mich das interessanteste von allen. Hier räumt Mehl ein, dass nicht alle Handlungen auf automatischen Reflexen beruhen, sondern auch bei Hunden auf bewusste Entscheidungen zurückzuführen sind. Er spricht überwiegend von den beiden Hälften des menschlichen Gehirns und dass er aufgrund verschiedener geschilderter Versuche davon ausgeht, dass in jeder Gehirnhälfte ein eigenes Bewusstsein existiere. Das Bewusstsein der dominanten Gehirnhälfte sei entscheidend. So wäre es wohl auch beim Hund.

Ich gehe nach wie vor von einem Bewusstsein aus, beim Menschen wie beim Hund.


Das Buch hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt, da ich zum einen nicht erwartet habe, dass die Inhalte so medizinisch und chemisch sind, die Zielgruppe sind ja schließlich Hundefreunde. Zum anderen habe ich aufgrund meiner umfassenden Lektüre in den letzten Jahren eine andere Meinung zu vielen Aspekten, was natürlich durchaus legitim ist. Ich lese schließlich nicht Bücher um immer wieder das bestätigt zu bekommen, was ich eh schon weiß. Ich finde es wichtig, andere Standpunkte kennenzulernen, um seine eigenen diesbezüglich immer wieder zu hinterfragen.


Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise kostenfrei vom Kosmos-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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