gerettete Seelen

Sie möchte sich wieder den Traum von einem eigenen Hund erfüllen, nachdem der Familienhund nun seit einigen Jahren tot ist. Ein Hund vom Züchter kam nie für sie in Frage, zu viele Geschichten von Rassehunden mit Nahrungsunverträglichkeiten, Allergien und Geburtskanaltraumata. Sie möchte was Sinnvolles, Gutes tun, endlich mal im Leben. Ein erwachsener Hund sollte es sein, kein Welpe. Insgeheim traut sie sich nicht zu einen Welpen zu erziehen, obwohl sie extra eine Hundetrainerausbildung gemacht hatte, um möglichst wenig Fehler mit dem neuen Hund zu machen. Sie fühlt sich auch unfähig Mutter zu sein, da sie die Fehler ihrer Mutter wiederholen würde. Sie möchte sich nicht die Blöße geben, schon mit einem Kind mit oder ohne Berufstätigkeit überfordert zu sein. Lange hat sie im Internet auf Tiervermittlungsportalen gesucht, war immer unsicher und zögerlich und hätte heute noch keinen Hund, wenn das Schicksal die Sache nicht in die Hand genommen hätte, so dass sie keine Wahl mehr hatte.


Die verängstigten Hundeaugen ließen erahnen, wie viele Stationen der kleine Kerl mit seinen knapp 3 Jahren schon passiert hatte. Dementsprechend lange dauerte es bis sich der Hund ihr gegenüber öffnete und Vertrauen fasste. Er hatte bisher nichts in seinem Leben gelernt, war Menschen gegenüber allerdings durchaus aufgeschlossen und willig zu lernen. Dennoch stellte der kleine zierliche Hund ihre Geduld auf die Probe und führte ihr täglich ihre Unzulänglichkeit vor Augen. Durch die Überforderung mit ihrem Hund findet sie nun eine seelische Verbindung zu ihrer Mutter, zu der sie in Gedanken sagt:

Schau, liebe Mutter, ich schaffe es auch nicht. Ich bin nicht besser als du. Ich habe es auch probiert und bin gescheitert. Du bist nicht schlecht. Dich darf man nicht verurteilen. Du gehörst dazu. Ich bin wie du. Meine liebe Mutter, ich werde nicht mehr über dich urteilen. Du bist meine Mutter und hast mir mein Leben geschenkt. Das zählt. Denn jetzt kann ich was Gutes daraus machen. Dieses Geschenk nehme ich jetzt gerne von dir an und freue mich über das, was ich von anderen bekomme, und über das, was ich geben kann.



Quelle:

Oppermann, Andrea & Matthias: Bitte sag, dass das nicht wahr ist, S. 80 f.

8 Ansichten