Innenschau statt Tagesschau

Ich habe die positive Wirkung von Stille und Meditation bereits erfahren und dennoch viel es mir schwer, mir in den letzten Monaten täglich Zeit zum Meditieren zu nehmen. Dabei ist der Winter perfekt dafür geeignet. Im Herbst zieht sich alles zurück und geht nach innen, Tiere in ihre Höhlen und Pflanzen ziehen ihre Kräfte in die Wurzeln zurück. Da wir unser Leben inzwischen so unabhängig von der Natur gestaltet haben, bekamen wir in diesem Winter noch eine weitere Unterstützung: Eine Einkehr ins Wirtshaus ist seit November nicht möglich, zusätzliche Zeit für die eigene Einkehr ist demnach vorhanden. Da mein eigener Weg zur Meditation so lang war, versuche ich erst gar nicht, jemand anderen davon zu überzeugen. In letzter Zeit kommt es allerdings doch hin und wieder vor, dass mich Menschen fragen, was sie tun sollen und da fällt mir dann nur eins ein: Meditation.


Meine Eltern hatten als Katholiken noch nichts zu tun mit östlicher Spiritualität, demnach ist deren Weg zu sich selbst noch um Einiges weiter. Immerhin sind sie gläubig und befinden sich daher schon auf der Geraden der Spiritualität, als Anhänger der katholischen Kirche jedoch am extremen Gegenpol der Liebe, bei der Angst. Ihr Glaube und ihr Gottesbild war bisher von Angst bestimmt und Entscheidungen wurden nicht trotz Angst, sondern aus Angst getroffen. Das ist ein großer Unterschied.


Meine Eltern, meine Geschwister und ich verabreden uns seit ein paar Wochen einmal wöchentlich zu einem Gruppenvideotelefonat. Beim letzten Telefonat sagte meine Mutter wiederholt, ihr fiel jetzt nichts mehr ein, worauf ich scherzhaft entgegnete, wir könnten uns auch zur gemeinsamen Schweigemeditation treffen. Meine Mutter meinte es allerdings diesmal ernst und seither treffen wir uns täglich zur gemeinsamen Schweigemeditation per Video. Ich dachte eigentlich an morgens, meine Mutter schlug hingegen 20 Uhr vor. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass sie sich nicht nur bewusst für die Meditation entschieden hat, sondern unbewusst gegen Angst und für die Liebe, nämlich gegen die Tagesschau und für die Innenschau.


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Wenn du glaubst, dass du schon erleuchtet bist, dann besuche doch mal ein Wochenende deine Eltern.

Ram Dass, Professor für Psychologie


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