Jackpot mit Zusatzleckerli

Aktualisiert: Sept 18

In der sogenannten "Modernen #Kynologie" wird ja oft mit #Konditionierung gearbeitet. Das funktioniert ganz gut um Sitz, Platz und Kunststücke beizubringen. Zur Erklärung: Konditionierung ist ja das mit dem sabbernden #Pawlowhund, daran kann sich der eine oder andere vielleicht aus dem Biologieunterricht noch erinnern. Im Versuch wurde kurz vor der Futtergabe eine Glocke geläutet, was dazu führte, dass der Hund bei dem alleinigen Glockengeräusch ohne Futter vermehrt Speichel produzierte. Bei dieser klassischen Konditionierung wird tatsächlich physisch im Gehirn etwas verändert, was zum Auslösen des unwillentlichen Reflexes führt. Der Hund reagiert automatisch so und kann es nicht willentlich beeinflussen. Die operante Konditionierung funktioniert durch Lernen am Erfolg. Der Hund lernt, dass auf eine bestimmte Handlung eine Belohnung erfolgt. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Konditionierung ist, dass es sich hier nicht um einen Reflex handelt, der Hund entscheidet selbst, ob die Belohnung ausreicht, damit er die Handlung durchführt. Das war der Punkt, an dem ich stutzig geworden bin, denn das würde ja bedeuten, dass ich immer bessere Belohnungen auffahren muss und mit welcher Belohnung kann ich gegen ein Wildkaninchen antreten? Läuft mein Hund vielleicht zu einem anderen Menschen, weil der bessere #Leckerlis hat?

Früher oder später kommt man unweigerlich an den Punkt, an dem es nur noch über Beziehung geht. Sofern die Rangordnung nicht geklärt ist bzw. nicht so geklärt ist, dass der Mensch der #Ranghöhere ist, verhallen seine Rufe sinnlos im Wald. Der Hund hat überhaupt keine Veranlassung seinem Jagdtrieb nicht zu fröhnen, egal wie lecker die #Belohnung ist. Er hat zwar in den seltensten Fällen Erfolg beim Jagen, allerdings ist das Hinterherhetzen schon besser als die größte #Jackpotbelohnung in Form von Futter. Daher wird Jagen als #selbstbelohnendes Verhalten bezeichnet, das sich bei jedem Mal verstärkt. In der Hundewelt gibt es einen Verhaltenskodex und eine Sozialvereinbarung innerhalb eines Rudels, die jeder Hund kennt. Einem rangniederen Hund ist klar, dass er seine Bedürfnisse nicht ohne Rücksicht auf die Gruppe ausleben darf. Zudem agiert er nur mit Erlaubnis des Ranghohen oder reagiert zumindest auf dessen Verbot. Diese Verhaltensregeln gelten natürlich in jedem Bereich, ob es Jagd, Zugang zum Futter oder Verpaarung ist. Das hat natürlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konditionierung, bei der man jede neue Situation neu trainieren muss. Es ist sogar nötig, ein Kommando in verschiedenen Umgebungen und Situationen zu trainieren (#Generalisierung), da Hunde situationsabhängig lernen. Nur weil der konditionierte Hund im Wohnzimmer problemlos auf Kommando Sitz macht, bedeutet es nicht, dass er das auch in der Küche oder gar draußen macht, sofern man es nicht an verschiedenen Orten geübt hat. Ist die Beziehung und die Rangordnung geklärt, ist der Kontext egal, denn der Wunsch des Ranghohen wird nicht hinterfragt, ganz egal wo und wie viele Wildkaninchen vorbei laufen.