Kleopatraaugen

Die ägyptische Pharaonin wird auf Bildern und in Filmen mit geschminkten Katzenaugen dargestellt. Der schwarze Kohlstift erweckt den Eindruck, dass ihre Augen nach innen zur Nase hin abfallen. Wie ihre Augen ungeschminkt aussahen, weiß man nicht. Mit Kleopatra verbindet man neben Schönheit auch Stolz, Erhabenheit, Selbstständigkeit, Ehrgeiz und Arroganz. Das sind auch die Charaktereigenschaften, die man im Gesichtlesen Menschen mit nach innen fallenden Augen zuschreibt. Den Fokus auf die positiven Dinge legend und davon ausgehend, dass Dinge bestmöglich verlaufen, erreichen sie oft Dinge, die andere sich gar nicht erst zum Ziel setzen würden. Gewinnend lebend, können wir also von einem ambitionierten und stolzen Menschen sprechen – die Grenze zur Selbstüberschätzung und Größenwahn ist allerdings nah. Wenn Dinge nicht so laufen, wie es ursprünglich geplant war, kann es für diese Menschen herausfordernd sein, in Balance zu bleiben.

Mit ihnen ist man meist in witziger und unterhaltsamer Gesellschaft. Neugierde treibt sie an und Phantasie und Schläue sind Quell der Inspiration für sie selbst und ihr Gegenüber. Sie haben einen guten Blick für günstige Gelegenheiten. In Verbindung mit der Neigung zu einer gewissen Habgier kann das eventuell zu opportunistischen Verhalten führen.

Auch Katzen wirken auf uns sehr stolz und selbstständig, sie strahlen etwas Erhabenes aus, bei Hunden spricht man hingegen oft von einem treudoofen Blick. Womit hängt das zusammen? Hundeaugen sind meistens rund, je nach Rasse haben sie sogar Knopfaugen, wie man sie von Babies kennt. Viele Hunderassen wurden gemäß des Kindchenschemas gezüchtet: rundes Gesicht, kleine Stupsnase, große runde Kulleraugen, Babyspeck und kurze Gliedmaßen. Das Ergebnis sind Qualzuchten, zu denen Mops, Bulldogge u.a. gehören, deren Beliebtheit auf den angeborenen #Gesichtleser in uns zurückzuführen ist, der den Fürsorge- und Beschützerinstinkt in uns weckt.

Asiatische Hunderassen wie Akita Inu, Shiba Inu, Basenji, Husky oder auch Chow Chow haben auch diese zur Nase abfallenden Augen und sind für ihren eigensinnigen, stolzen und selbstständigen Charakter bekannt. Konrad Lorenz bezeichnete diese Hunde "Lupushunde", weil er damals davon ausging, dass sie vom Wolf abstammen im Gegensatz zu den "Aureushunden", die Nachkommen des Goldschakals wären, wie ich in dem Beitrag Honigfinder bereits erklärt habe. Inzwischen ist unbestritten, dass alle Hunde ausschließlich vom Wolf abstammen. Konrad Lorenz hat allerdings richtigerweise entdeckt, dass es zwei unterschiedliche Hundetypen gibt, die auf das Alter der Rassen zurückzuführen sind. Die älteren asiatischen Hunderassen werden auch Hunde vom Urtyp genannt, weil sie dem Wolf noch am ähnlichsten sind. Die jüngeren europäischen Hunderassen wurden mit dem Ziel gezüchtet, dass die Hunde nicht nur kindisch aussehen, sondern auch vom Verhalten her kindisch sind. Gesichtleser wissen, dass das eine nicht ohne das andere geht. Man könnte Lupushunde als "Hunde mit Katzenaugen" und Aureushunde als "Hunde mit Teddyaugen" bezeichnen. Auf diese Weise kann man sich auch leichter merken, welcher Hund zu welcher Kategorie gehört.


Shiba Inu

Quellen:

https://verliebtesherz.de/physiognomie-und-bedeutung-der-augen/

Fierhauser, Anne: https://einblickgesicht.de/die-neigung-der-augen-nach-innen-fallend/

Lorenz, Konrad: Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen, München: 1964, S. 130 ff.

Wachtel, Dr. Hellmuth: Konrad Lorenz: Die zwei Unterarten des Haushundes, aus: https://www.wuff.eu/wp/konrad-lorenz-die-zwei-unterarten-des-haushundes/