Matthäus-Effekt

Wenn ihr einen Hund habt, habt ihr euch sicherlich auch schon darüber gewundert, was für ein schwieriges Unterfangen es offenbar ist, den geeigneten Abort zu finden. Selbst wenn es dringend zu sein scheint, sucht er, setzt mehrmals an, ändert dann doch seine Meinung und geht sogar unverrichteter Dinge wieder nach Hause, wenn Ort und Zeit nicht optimal erscheinen. Wenn möglich, benutzt er dieselbe Stelle wie an vorherigen Tagen, ist also in dieser Hinsicht nicht so offen für Neues und schon gar nicht bereit, Kompromisse einzugehen.

Wir möchten ja auch möglichst ungestört bei unserem Geschäft sein und ein Dixi-Klo nach Möglichkeit vermeiden. Die Kriterien unserer Hunde sind allerdings weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick wirklich ersichtlich.


Ich stelle mir vor, dass die Hunde an den Duftspuren am Boden eine Vorstellung davon bekommen, wie groß und wie alt der jeweilige Hund ist, der das hinterlassen hat. Wenn er nun wagt auf dessen Urinspur oder auch nur in der Nähe einen Haufen zu setzen und er genau dem Hund - wie es der Teufel so will - dann am nächsten Tag im Park begegnet, dann wird der bei der Untersuchung seiner Analregion feststellen: Das ist doch das Arschloch, das gestern eine riesen Scheiße auf meiner Markierung gebaut hat! Wie aus heiterem Himmel kommt es dann zum Kampf.


Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was das mit Matthäus zu tun hat und denkt vermutlich als erstes an Lothar Matthäus, wenn es um Scheiße bauen geht. Hier geht es allerdings um das Matthäus-Evangelium, denn als ich nach dem Sprichwort mit dem Teufel und dem Haufen gesucht habe, bin ich auf den Begriff Matthäus-Effekt gestoßen, der in der Soziologie beschreibt, wenn aktuelle Erfolge mehr durch frühere Erfolge, und weniger durch gegenwärtige Leistungen entstehen. Ein Grund liegt in den stärkeren Aufmerksamkeiten, die Erfolge erzeugen. Dies wiederum eröffnet Ressourcen, mit denen weitere Erfolge wahrscheinlicher werden. Kleine Anfangsvorteile einzelner Akteure können so zu großen Vorsprüngen heranwachsen und eine sehr geringe Anzahl von Akteuren den Hauptteil aller Erfolge auf sich vereinen, während die Mehrheit erfolglos bleibt. Der Name spielt auf das Gleichnis der anvertrauten Talente im Matthäus-Evangelium an, das ich als Kind nie verstanden habe. Die Moral der Geschicht`ist: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ Wenn man versteht, dass es bei dem vergrabenen Taler um Talente geht, wird schon eher ein Schuh daraus. Heute beschreibt man das mit money mindset. Durch negative Glaubenssätze über Geld, die oft mit Angst verbunden sind, ziehe ich eine Energie des Mangels an. Wenn ich die Angst Geld zu verlieren loslasse in dem Vertrauen darauf, dass Geld zu mir kommt, wird das auch so geschehen. So machen manche aus Scheiße Gold!


Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist.

Quelle:

Laura Seiler: https://www.youtube.com/watch?v=0IWwKnR3obg&t=1289s