Sprechperlen vor die Säue

Aktualisiert: Sept 18

Ich schätze mal, dass es die meisten Menschen extrem nervt, wenn Hundebesitzer ihr Tier volllabern, denn sie denken: Der Hund versteht doch eh kein Wort. Wenn wir von artgerechtem Umgang reden und schauen, wie Tiere untereinander kommunizieren, ist natürlich klar, dass Lautäußerungen einen geringen Anteil der #Kommunikation einnehmen. Dennoch hat es seine Berechtigung auch mal laut zu werden, auch wenn der Hund uns auch flüsternd sehr gut verstehen würde. Uns Menschen fällt es nämlich in der Regel unheimlich schwer, unsere Gefühle ohne Verbalisierung körpersprachlich umzusetzen. Wenn der Hund allerdings permanent verbal beschallt wird, schaltet dieser sicherlich irgendwann auf Durchzug und reagiert nicht mehr auf Kommandos. Wer ununterbrochen auf seinen Hund einredet, ihm unverständliche körpersprachliche Signale sendet oder ihn ständig mit #Futter oder #Spielzeug besticht, der vermittelt Unsicherheit. Spürt der Hund die Befangenheit und Unentschlossenheit seines Menschen wird er versuchen, das Ungleichgewicht auszupendeln. Hunde wissen genau, dass wir anders ticken als sie und einer Spezies angehören, die viele Laute von sich gibt. Sie haben sich schon an viele unserer Kommunikationsstrategien gewöhnt. So empfinden es die meisten Hunde nicht (mehr) als bedrohlich, wenn wir unsere Zähne zeigen und sie anlächeln, sie haben gelernt, dass das positiv ist und empfinden es sogar als Belohnung.


Die meisten Hunde haben auch einen erstaunlichen „passiven“ Wortschatz entwickelt, sie verstehen über die antrainierten Kommandos hinaus sehr viel mehr Worte, die wir in bestimmten Situationen wiederkehrend verwenden. Für mich ist viel entscheidender, dass die verbale Kommunikation mit der Körpersprache und der inneren Haltung übereinstimmt, also Klarheit und keine paradoxe Kommunikationssituation herrscht. Sendet eine Person gleichzeitig zwei unterschiedliche Botschaften, wird das als doppelte Bindung (#doublebind) bezeichnet, was wiederum den Empfänger verunsichert. Sind Kinder dauerhaft einer solchen Situation ausgeliefert, kann das zu Krankheit und sogar Schizophrenie führen. Der Hund merkt sehr genau, wenn man eine Rolle spielt. Ein Nachahmen von hündischem Verhalten halte ich unter dem Gesichtspunkt der Authentizität für fraglich. Daher bin ich überzeugt, dass ein, für unser Verständnis, klares, selbstsicheres und authentisches Auftreten auch vom Hund als solches verstanden wird.