survival of the fairest

Moment mal, werden auch diejenigen sagen, deren Lieblingsfach nicht Biologie war: Das hieß doch anders. "Survival of the fittest" von Charles Darwin kennen wir alle wahrscheinlich noch und man denkt daran, dass in der Tierwelt - im Gegensatz zur Menschenwelt - das Recht des Stärkeren herrscht. Das liegt vielleicht am "false friend", denn das englische "fit" meint nicht körperlich fit, sondern "passend" und "angepasst". Darwins Erkenntnis war, dass die Individuen und Arten langfristig überleben, die am besten an die gegebenen Umweltbedingungen angepasst sind.


Bei Hunden - wie bei der Hypnose - spricht man immer von Ressourcen. Futter, Wasser, Schlafplatz, Spielzeug und auch Sexualpartner bezeichnet man als Ressourcen. Dementsprechend beschreibt das ressource holding potential (RHP), die Fähigkeit eines Lebewesens, einen Kampf zu gewinnen. Bei Hunden und anderen soziallebenden Tieren geht es nicht ausschließlich um das eigene Überleben, sondern die Weitergabe der eigenen Gene auch durch andere Rudelmitglieder.


Noch faszinierender als Hunde und sogar Bienen sind sicherlich Bäume. Für uns Menschen ist ihre Welt allerdings noch schwerer zugänglich und begreifbar als die der Tiere. Ein paar wenige Menschen haben sich die Zeit genommen und sich mit der Intelligenz, Kommunikation und Heilkraft von Bäumen beschäftigt. Einer von ihnen ist Erwin Thoma, als Förster hat er nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Solidarität unter Bäumen erlebt. Wenn ein Baum im Wald zu wenig Wasser zur Verfügung hat, wird das sofort an alle benachbarten Bäume gemeldet, die reagieren darauf, indem sie ihre Spaltöffnungen ein wenig verschließen um ihren Wasserverbrauch zu verringern. Erst wenn wieder mehr Wasser da ist, werden die Spaltöffnungen aller Bäume geöffnet. Was macht das biologisch für einen Sinn? Hat Darwin nicht gesagt, dass alle Lebewesen um Nährstoffe und einen Platz an der Sonne konkurrieren und sich nur die langfristig in der Evolution durchsetzen, die am besten angepasst sind? Ist es nicht zweckmäßig, dass Pflanzen mit hohem Wasserbedarf in zunehmend trockenen Gegenden aussterben und sich dort Pflanzen durchsetzen, die mit Trockenheit gut klarkommen? Wenn der eine Baum vertrocknet wäre, hätten die anderen Bäume langfristig mehr Wasser, mehr Licht und Platz gehabt. Nach diesem Prinzip würden immer mehr Lichtungen im Wald entstehen, der Wald wäre irgendwann kein Wald mehr und es gäbe einzelne Bäume, die viel Sonnenlicht hätten, allerdings könnte der Boden um sie herum das Wasser nicht so gut speichern, da es aufgrund des fehlenden Schattens gleich verdunstet. Bei einer kurzfristigen Trockenheit hätte der alleinstehende Baum keine Unterstützung. So entstehen wohl Wüsten, in denen sich nur sehr genügsame Kakteen durchsetzen können.


Sozial lebende Tiere sind innerhalb ihrer Gruppe sehr solidarisch, da sie alleine nicht überleben können. Peter Wohlleben berichtet über Fledermäuse, die ihre Blutmahlzeit in der Höhle teilweise hervorwürgen und an dem Festmahl nicht nur Familienmitglieder, sondern auch andere Höhlenbewohner teilhaben lassen. Forscher konnten sogar nachweisen, dass sich Fledermäuse merken, welche Artgenossen ihrerseits großzügig sind und diese bevorzugt behandeln. So gesehen ist altruistisches Verhalten ein Vorteil in der Evolution.


Unterscheiden Bäume etwa auch zwischen großzügigen und egoistischen Nachbarn im Wald? Das bezweifle ich. Erwin Thoma sagt, dass das Leben im Wald deshalb so gut funktioniert, weil alles so organisiert ist, dass alle was davon haben. Niemand macht etwas, das nur ihm selbst dient. Im Laufe der Evolution ist nur das übrig geblieben, was letztlich allen dient. Die egoistischen Bäume sind also schon vor vielen Tausend Jahren ausgestorben. Fledermäuse sind stammesgeschichtlich gesehen eine sehr junge Gattung, was wohl erklärt, warum es noch egoistische Fledermäuse gibt.



"Mich erinnern dicke, silbergraue Buchen (...) an eine Elefantenherde. Auch sie kümmert sich um ihre Mitglieder, hilft Kranken und Schwachen auf die Beine und lässt selbst tote Angehörige ungern zurück."

Peter Wohlleben, Förster und Autor

Quellen:

https://www.wissenschaft.de/allgemein/survival-of-the-fittest/

Thoma, Erwin: https://www.youtube.com/watch?v=3sdahpNmAvQ

Wohlleben, Peter: Das Seelenleben der Tiere

Wohlleben, Peter: Das geheime Leben der Bäume