Tierschutz und Seelenleid

Nachdem ich selbst seit einigen Jahren mehr oder weniger aktiv im Tierschutz bin, finanziell ein paar Projekte unterstütze und verfolge und nun selbst einen Hund aus dem Auslandstierschutz habe, sehe ich das Thema differenzierter, da ich auch einige ungute Dinge mitbekommen habe. Man kann natürlich sagen, dass Fehler überall passieren, erst recht wenn Menschen sich bis zur Erschöpfung aufopfern. Die Motivation für ein ehrenamtliches Engagement ist niemals selbstlos, was ich völlig legitim finde. Eine Win-Win-Situation ist in jedem Bereich wünschenswert. In einem vorherigen Beitrag habe ich geschrieben, dass alle Tierhalter ein psychisches Problem haben, was sich sehr drastisch und provokativ anhört. Tatsächlich meine ich damit, dass es wohl kaum jemanden gibt, der nicht irgendwelche persönlichen Themen hat. Manche kompensieren diese mit Konsum, andere mit Sport oder eben mit Haustieren. Problematisch wird es erst, wenn es extrem wird und Süchte entstehen, Menschen zum Beispiel Haustiere horten.


Im Tierschutz geraten Menschen oft in eine Spirale, aus der sie erst rauskommen, wenn eine Krankheit sie stoppt. Es ist, als ob sie ein schlechtes Gewissen hätten zur Gattung Mensch zu zählen, die den Tieren so viel Leid zufügt. Dieses schlechte Gewissen treibt sie unnachgiebig an, es ist ja kein Ende in Sicht. An sich selbst zu denken wäre ein Verrat an den Tieren und erst wenn es ihnen schlechter als den Tieren geht, dürfen sie sich um sich selbst kümmern. Das, was einen dazu antreibt, sich über die eigenen gesundheitlichen Grenzen hinaus zu engagieren, hat wenig mit den Tieren selbst zu tun, sondern liegt in der eigenen Familienseele begründet. Die Tiere dienen nur als Mittel zum Zweck, als Stellvertreter. Würde man sich um sein eigenes Seelenheil kümmern, könnte man sich mit geheilter Seele und ganzer Kraft den Tieren und ihren Menschen widmen. Die Motivation dafür wäre dann vermutlich nicht mehr vorhanden!

Tierschutz ist demnach nicht nur eine Merkmal einer Wohlstandsgesellschaft, sondern vielmehr einer traumatisierten Gesellschaft.



Quelle:

Oppermann, Andrea & Matthias: Bitte sag, dass das nicht wahr ist, S. 76 ff.

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