Weisheit des Traumas

Aktualisiert: Sept 19

Gabor Maté kommt mir vor wie die kanadische Version von Prof. Dr. Franz Ruppert, denn beide haben sich dem Trauma als Lebensaufgabe verschrieben. Beide möchten die Gesellschaft über Trauma informieren. Ihre Botschaft ist, dass wir in einer traumatisierten Gesellschaft leben, die von traumatisierten Menschen regiert und von unserem ersten Atemzug an traumatisierend auf uns wirkt. Das ist auch der Grund, warum Trauma oftmals nicht als solches erkannt wird. Denn - wie Erich Fromm bereits feststellte - wenn die Mehrheit der Menschen krank ist, wird es nicht als Krankheit erkannt. Nur was eine Minderheit betrifft, wird als abnormal und eventuell krankhaft wahrgenommen. Das Ausmaß an Traumatisierung variiert von Mensch zu Mensch je nach dessen Erfahrungen und seiner Resilienz.


Was ist Trauma?

Maté hat einen Film gemacht mit dem Titel "Wisdom of Trauma". Darin räumt er unter anderem mit dem weitverbreiteten Irrtum auf, dass es für Traumata zwangsläufig Krieg, Missbrauch oder sonstiger Extremerfahrungen bedarf. Alles, was zu lang, zu viel, zu früh passiert und unseren Urerwartungen, das was auch als Kontinuum bezeichnet wird, widerspricht, kann Trauma auslösen. Trauma ist nicht das, was dir geschehen ist, sondern das was in dir passiert als Folge dessen, was du erlebt hast. Trauma bezeichnet die Entfremdung von uns selbst. Jeder Mensch, der süchtig ist nach was auch immer, Zigaretten, Arbeit, Vergnügen, depressiv, extrem ängstlich oder zurückgezogen und introvertiert ist, ist traumatisiert. Traumatisierte Menschen haben keine Kontrolle mehr über ihren Körper, der nur noch in Abwehr- und Verteidigungshaltung ist. Alle Gefühle werden abgespalten, die unangenehmen wie die angenehmen, traumatisierte Menschen leben jahrelang in einem Freeze-Status. Hier sind die Begriffe Epidemie und Pandemie in der Tat angebracht. Der Unterschied liegt übrigens darin, dass Epidemie eine Massenerkrankung bezogen auf ein Land oder eine bestimmte Gegend bezeichnet, während Pandemie für eine weltweite Massenerkrankung steht. Von Massenerkrankung geht man übrigens aus, wenn 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung erkrankt sind.

Depressionen und Suchterkrankungen nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu und wenn ich mich allein in meinem Umfeld umschaue, kann ich mit Sicherheit sagen, dass die 20 Prozent leicht überschritten werden.


Ich kann nur jedem raten den Film "Wisdom of Trauma" anzusehen, auch denjenigen, die scheinbar nichts mit dem Thema zu tun haben. Du wirst feststellen, dass du mindestens eine Person in deinem nahen Umfeld kennst, die sehr viel damit zu tun hat.


Trauma als Chance

Der Titel "Weisheit des Traumas" lässt erahnen, dass Trauma eine riesen Chance birgt, denn die Seele traumatisierter Menschen äußert sich so stark, dass man sie kaum überhören kann, im Gegensatz zur Seele sogenannter nicht-traumatisierter oder leicht-traumatisierter Menschen. Die Seele spricht immer die Wahrheit und viele Menschen wünschen sich, endlich wieder in Kontakt mit ihrem Innersten zu kommen. Auch wenn starke Traumatisierung tatsächlich physiologische Veränderungen im Gehirn verursachen kann, gibt es dennoch keinerlei Traumatisierung, die nicht geheilt werden kann.

Darum geht es auch im Collective Trauma Summit 2021, zu dem du dich hier kostenlos anmelden kannst.


wisdom of trauma Film Gabor Maté Traumatisierung Depression Sucht Pandemie Psychotherapie Polyvagaltheorie
Ein Leben voller unterschiedlicher Erfahrungen und Gefühle ist ein Luxusleben.

Andrea Erhard


41 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen